Mimizan Plage

2te Woche: Mimizan Plage

Da das Internet diese Woche streikte und sich auch mein Handy, unerklärlicherweise, vorübergehend verabschiedet hat, habe ich für diese Woche nur eine Zusammenfassung. Ich hoffe das mein Laptop, meine momentan einzige Verbindung zur Heimat noch durch hält, denn dank einer defekten Lüftung pfeift er sprichwörtlich aus dem letzten Loch. Hitze und Sand tun ihr übriges. Ich pfeife mit.

Diese Woche war eigentlich als sehr ruhige und entspannende Woche gedacht, quasi als Ruhe vor dem Sturm, der dann in Pamplona kommen wird. Ehrlich gesagt befürchtete ich, dass mir ein wenig fad werden würde. War aber nicht so, denn das Pura Vida Surfcamp, ist genauso wie man es sich selbst richtet. Derjenige der es möchte ist permanent betreut, ganz ohne Aufdringlichkeiten, es ist eher so, dass immer wieder kleine pläuschchen eine extreme Wohlfühlatmosphere schaffen und doch ist jeder sein eigener freier Mensch. Man hat einfach extrem viele Optionen und so kann ich es vor allem Paaren empfehlen die Ruhe suchen, aber nicht nur faul herum liegen wollen. Zumindest einmal am Tag hüpft man mit dem Surfbrett aufs Fahrrad und fährt zum Strand zur Unterrichtseinheit wo die wirklich kompetente und herzliche  Surflehrerin aus Holland wartet. Es ging dann wahnsinnig schnell und obwohl ich diese Woche von Heimweh geplagt war, habe ich die Philosophie des Hauses wahrlich aufgesogen „Pura Vida“, lebe in den Tag! Oder so.

Manche Paare verwechselten es mit dem wienerischen: „Puda wieda“,

was ich ihnen in ihrem Urlaub aber auch vergönnte. Jedoch war ich verwundert, dass diesen Kommunikationsfehler ein deutsches Pärchen beging. Dank der dünnen Wände war ich mittendrin statt nur dabei, worauf ich die meisten Abende die Flucht ergriff und mich ins Nachtleben des nahe gelegenen Mimizan begab und Pura Vida lebte, dazu später mehr.

Dadurch das jeden Morgen gemeinsam gefrühstückt wird, war sehr schnell Anschluss gefunden und es ging sehr international zur Sache, Belgier, Holländer, Schweitzer, Deutsche und ich, richtig, seit 2 Wochen in Frankreich und ich hab noch keinen Franzosen kennengelernt. Erste Annäherungsversuche am gemeinen Franzosen scheiterten dank meiner nicht vorhandenen Sprachkenntnisse kläglich. Aber auch war ich positiv überrascht wie freundlich und fürsorglich die Franzosen sind, als ich bei MC Donalds ein California Burger Menü, auf einem großen Bild abgebildet, bestellte, bekam ich einen Cesar Salat. Ich empfand es als große Aufmerksamkeit um meinen Gesundheitszustand und da ich ja als Wiener soviel Freundlichkeit nicht gewohnt bin, wusste ich zuerst nicht wie ich reagieren sollte, kurz wollte ich widersprechen, andererseits war die Überzeugungskraft in den Augen der Dame so groß, dass ich mir dann sagte, hey mein französisch ist gar nicht so schlecht, ist genau das, was ich bestellt habe.

Gottseidank dauerte es auch nicht lange und  nach einigen try and error Versuchen kam ich darauf wie man jeden Franzosen auf Anhieb um den Finger wickelte. Egal wo man hinein geht, ob Geschäft oder Lokal, erstmal Bonjour murmeln, danach wird erstmal gemustert, hier heißt es sich vom Touristen abzuheben es wird gefragt: “Sawa? „und man Antwortet erst mal, „Sawa!” Dabei bissl bös schauen, folgt keine Konversation, dann seine Dinge wie einkaufen erledigen bzw. kann ab jetzt auf Englisch bestellt werden, aber mit einem s’il vous plaît (servo play) am Schluss.

Sollte sich eine richtige Konversation ergeben, braucht man nur zwei weitere Vokabel, Oui (Wi); und Dáccord (Takor), wirklich easy, ich habe oft über Stunden Gespräche gehabt, dabei braucht man wirklich absolut keinen Tau haben was das Gegenüber eigentlich redet, einfach freundlich bleiben und grinsen die zwei Wörter einbauen, bis er/sie von selbst auf englisch zu sprechen anfängt, was dann auch von allen echt gut beherrscht wird, zur Verabschiedung ein au revoir, und die Herzen beginnen zu schmelzen.

Nightlife und Surfen

Das Wellenreiten, war diese Woche von Licht und Schattenseiten geprägt; Dadurch dass man jederzeit auch frei surfen konnte, fand ich „fast“ immer jemanden der mit mir zum Ozean fuhr, allerdings war ich auch derjenige, bedingt durch die Anzahl der Versuche und einer gewissen Lernresistenz, mit weitem Abstand am öftesten durchgespült wurde, dabei blieb nicht immer alles heil. Eine Rückenprellung und schmerzende Ellenbogen, gehören allerdings zum Geschäft und werden als harmlos bezeichnet. Ich hatte aber auch großartige Erfolge die für alles entschädigten, Wellen werden jetzt schon regelmäßig, egal ob Front- oder Backside geritten und es fühlt sich einfach nur Geil an, und ich stand meinen ersten Drop in!

Durch das „fast“ schaffte ich es auch ein paar meiner Ängste zu überwinden, zum Beispiel macht es mir jetzt nichts mehr aus, alleine raus zu paddeln, selbst wenn die Sonne schon untergegangen, das Wasser schwarz und die Wellen hoch sind. Das alleine war schon ein unglaublicher Fortschritt wenn man weiß, dass ich schon im Putzing See Panikattacken erlitten habe, sobald es dunkel wurde. Maßgeblich daran beteiligt sind die unglaublichen Sonnenuntergänge die mitunter so kitschig schön sind, dass es surreal wirkt. Das schönste war, als ich Donnerstag bei einem leichten Regenschauer, (ja, fast jeden Tag Regen) der Brandung entgegen paddelte, wenn man auf den Horizont blickte sah man einen perfekten Sonnenuntergang, die Sonne ein großer, blutroter Ball und Blickrichtung Land, ein riesiger, fetter Regenbogen und ein Halbmond drüber. Wenn ein paar Glücksbärchis, ein Einhorn, oder Conchita Wurst auf einem Delfin angeritten beziehungsweise angerutsch gekommen wären, hätte es mich auch nicht mehr verwundert.

Mit soviel positive Gefühlen ließ es sich auch gut gemeinsam an der Feuerstelle entspannen und hatte so manchen schönen Abend mit den drei freundlichen Pärchen aus Deutschland und dem Wein vom Weingut Heinz Fink. Zusammen mit dem Chilenischen Belgier Rodrigez und dem Niederländer, der sich als guy von California verkaufte, Erik-Jan, bildete ich das Wolfpack, vielleicht nicht so unglaublich Witzig wie von zuhause gewohnt, aber der Schmäh lief gut, wobei die Beiden, eine ziemliche Eigendynamik entwickelten, bei der ich zu später Stunde gerne absprang um auszugehen und neue Leute kennen zu lernen.

RESPECT

Ja dieses neue Leute kennen lernen ist echt mein Ding, am Schluss war es so, dass egal wo ich in Mimizan war, immer wen sah der mir freundlich zuwinkte, wie? Naja, am Anfang mal positiv auffallen, in einem kleinen Örtchen, easy, ich tanzte mich grinsend und relativ Biertrunken durch die Pura Vida und American Bar. Dabei kam es zu diversen Momenten die man, auch wenn peinlich , nicht auslassen darf.

Der angesoffene Kellner der dir den Abend zuvor das Abendessen gebracht hat erkennt dich, dank oui und dáccord wieder und zieht dich auf die Budel zum tanzen.

Der Surflehrer der rivalisierenden Surfschule erkennt dich dank bonjour und au revoir vom Strand wieder und fordert dich zum Armwrestling raus, dabei muss er sich eingestehen, dass er gegen Austrian Dynamite absolut keine Chance hat genauso wie die ganze andere, danach überaus nette Surf- Franzosentruppe.

Man bekommt von zwei Winzer- Burschen aus Bordeaux einen guten Rosé und gibt dafür den heimischen Blauen Burgunder.

Man übersteht alle gratis Runden und sämtliche Trinkspiele aller neuer Bekanntschaften und erscheint pünktlich um 8 Uhr zum Yoga- Unterricht! Ja ich, Yoga, es ist Sau-cool, obwohl ich dabei durch die Hölle ging.

Warum? Naja es ist einfach nett, wenn man nach nur einer Woche abfährt, in den Rückspiegel schaut und sieht Leute mit einem dicken Grinser, extra angelaufen kommen um Abschied zu winken. Man weiß diese Leute, die man zurück lässt, werden einen so schnell nicht vergessen und jedesmal wenn sie Österreich hören, denken sie an diesen crazy guy from Austria with good food, good wine and happiness. In diesem Sinne, ich freue mich für euch, mich kennen gelernt zu haben! Aber jetzt auf nach Pamplona!

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