Die Beachvolleyball Pro’s und ihre Suche nach Gold

Thomas Kunert und Christoph Dressler im Interview

Home sweet home!

Sie sind dabei! Bei den Fivb Beach Volleyball World Championships 2017

Die Donauinsel ruft! – Kunert und Dressler folgen. Die beiden Beachvolleyballprofis sind momentan Österreichs Nummer 2 Team und starten zum ersten Mal in ihrer Karriere für Österreich bei einer WM. Dem nicht genug, wohnen die zwei Jungs nur einen Steinwurf vom neuen WM-Centercourt auf der Wiener Donauinsel entfernt.

Ich habe sie bei ihrem Training im Maxx Sportcenter treffen dürfen und sie nach ihrem momentanen Gemütszustand, ihrer Passion und anderen Interessantem  befragt.

Das ganze INTERVIEW hier:

Jetzt steht, ja euer erstes Großevent an, was bedeutet das für euch?

Kunert: Für mich bedeutet es sehr viel! Ich bin Floridsdorfer und trainiere schon die ganze Zeit in Wien. Das ist meine erste Weltmeisterschaft, auch für den Christoph. Ich bin ja auch acht Jahre auf das Schulschiff gegangen und jetzt ist ja die Weltmeisterschaft genau daneben und da ist klar, dass eben Fans, Freunde und Familie zuschauen kommen.

500.000 € Preisgeld, das ist schon eine ordentliche Summe. Was macht man mit so viel Geld?

Dressler: Ja, so wie ich uns zwei kenne, werden wir es wahrscheinlich wieder ins Training investieren. Schauen, dass wir noch bessere Möglichkeiten bekommen. – Vielleicht ein bisschen genießen. Aber im Prinzip, mein erster Fokus wäre schon wieder, wie könnte ich mich damit verbessern.

Wann war für euch der Zeitpunkt, wo ihr gesagt habt: „„Jetzt ist es kein Spaß mehr, ab jetzt ist es Arbeit?“

Kunert: Prinzipiell macht es uns eigentlich immer Spaß, uns zu verbessern und auch zu trainieren. Es wurde aber zu Arbeit, nachdem der Erfolg gekommen ist. Wir haben gesehen, wir können international top spielen, wir können Preisgeld damit erreichen. Aber es macht nach wie vor noch immer Spaß.

Streitet ihr euch auch manchmal?

Dressler: Ich denke wir zwei kommen eigentlich recht gut miteinander klar, wenn man es vergleicht. Ich würde es auch eher mehr als Freundschaft bezeichnen, als als reine sportliche Partnerschaft. Natürlich, es gibt immer wieder Punkte wo man diskutieren muss. Wir sind doch unterschiedlich und da kommt es eben auch vor, anderer Meinung zu sein. Aber wir sind beide rationale Typen, die das eher miteinander aussprechen.

Aber am Feld geht es auch schon mal lauter zur Sache?

Kunert: Nein, am Feld versuchen wir professionell zu arbeiten, Feedback zu geben und Emotionen eher heraus zu lassen.

Was macht ihr in Phasen, in denen es mal nicht so rund läuft? Ist es schon mal passiert, dass ihr alles in Frage stellt?

Dressler: Man muss aufpassen. Gerade in dieser Phase kommen immer wieder solche Störgedanken rein. Wir probieren aber das abzuwehren indem wir uns noch mehr auf das Training konzentrieren. Klar, es kommen manchmal solche Gedanken auf, ob ich das Richtige mache? Aber die Blocke ich eigentlich ab, weil wir wissen, dass es genau das ist was wir eigentlich machen wollen!

Ihr seit ja auch beruflich sehr viel unterwegs, ist das eher Fluch oder Segen?

Kunert: Einerseits sind wir in sehr vielen Ländern, wir reisen in der ganzen Welt herum. Doch wir haben keine Zeit uns irgendetwas anzuschauen. Es ist Anreise, Training, Turnier und dann gleich ab zum nächsten Turnier.

Was liebt ihr an eurem Sport so sehr?

Dressler: Für mich ist es vor allem wenn man sieht, dass man sich selbst verbessert, dass man wieder einen Schritt nach vorne gemacht hat. Das ist einfach ein gutes Gefühl. Zum Anderen, das Gefühl, wenn man einen Ball so richtig in den Boden stampft und als Drittes würde ich sagen, das Gefühl wenn man ein Spiel gewinnt. – Also wenn man die Belohnung bekommt: Wenn man sieht, man ist besser als ein anderes internationales Team. Auch zu wissen man gehört zu den besseren Teams der Welt.

Kunert:  Ja, für mich ist es ähnlich! Der Erfolg, wenn man sieht man trainiert sehr viel und dass sich dieses Training bezahlt macht, aber auch weil Beachvolleyball eine Sportart ist, wo man alles können muss. Es ist sehr umfangreich, sehr variabel. Das ist es, was mir Spaß macht.

Ist Wille wichtiger als Training?

Kunert: Ich glaube, das kommt auf das Selbe. Denn man braucht den Willen um hart und viel zu trainieren, aber auch sehr viel Eigenverantwortung um das Training durch zu ziehen und professionell zu bleiben.

Beachvolleyballer haben ja keinen Coach auf der Seite, warum ist dieser nicht notwendig?

Dressler: Das hat sich von Anfang an in diesem Sport so entwickelt. Es ist ein Sport , wo man noch wirklich auf sich selbst gestellt ist, auch was das Management betrifft. Sponsorengespräche, das machen die meisten Beachvolleyballer alles selbst. Man ist auch am Feld selbst für die Taktik verantwortlich, also man muss selber den Gegner beobachten und mitdenken.

Kunert: Ich finde auch, dass das den Sport attraktiver macht. Dass zwei Leute im Team entscheiden müssen und sie auch individual taktisch arbeiten müssen.

Ihr wart vorher beide Volleyballer. Was sind eure Gründe, warum wechselt man von der Halle auf den Beach-Court?

Dressler: Also, wie es der Thomas eigentlich schon gesagt hat, am Beachvolleyballplatz hat man mehr Handlungen für sich selbst, man muss mehr können. Jeder ist mehr verantwortlich und daher eben auch mehr beteiligt an einem Sieg. In der Halle ist man ja dann doch zu sechst am Feld.

Wie wichtig ist Ernährung in eurem Sport?

Dressler: Mir persönlich ist es ein sehr wichtiges Thema, weil es wieder einen Punkt darstellt, in dem man sich ein bisschen verbessern kann. Dadurch, dass wir sehr viel reisen und mal in Brasilien, mal in China, mal in Mexiko sind, ist es praktisch unmöglich einen strikten Ernährungsplan zu führen. Deshalb schauen wir, egal wo wir sind, dass wir gewisse Grundsätze mit Obst und Gemüse, guten Kohlenhydraten und Proteinen einfach einhalten und entsprechend an unser Umfeld adaptieren.

Fühlt man sich als Beachvolleyballer oft ein bisschen auf seinen Körper reduziert?

Kunert: Darauf reduziert – Ja das würde ich jetzt nicht sagen. Natürlich kann man sich besser verkaufen, mit einem guten Körper. Aber wir sehen das professionell, wir trainieren nicht um gut auszusehen, sondern um Leistung zu bringen.

Parallel zu euch sind ja auch die Damenbewerbe. Schaut man da auch mal den Mädels zu, kann man da was lernen?

Dressler: Ich muss ehrlich sagen, ich schaue wirklich wenig Damenspiele – in der Jugend hat mir das mal ein Trainer verboten gehabt (lacht).

Was war euer schönster Erfolg?

Kunert: Wir hatten viele schöne Erfolge. Einer war der Turniersieg bei den Mitteleuropäischen-Meisterschaften in Tschechien. Ein weiterer schöner Erfolg war mit Sicherheit der Continental Cup, da hatten wir das zweite Olympia-Ticket für Österreich geholt.

Dressler: Ich würde auch sagen, wir haben zweimal Bronze bei den Studentenweltmeisterschaften geholt. Das waren auch immer schöne Erfolge.

Wie ist es wenn man auf ehemalige Partner trifft?

Kunert: Im Prinzip sind wir alle Trainingskollegen, wir kennen uns gut, sind nicht verfeindet und haben eine gute Freundschaft. Natürlich ist aber ein bisschen mehr Wille da, den Ex-Partner zu schlagen.

Skandale, ist Doping ein Thema im Beachvolleyball?

Kunert: Ich bin in den letzten eineinhalb Jahren viermal kontrolliert worden. Im Beachvolleyball ist es eigentlich kein Thema, es gibt vielleicht einzelne Fälle wo vermutet wird, dass da was im Spiel ist.

Beim Beachvolleyball ist ja auch immer viel Party auf den Rängen. Wie steht ihr als Sportler dazu?

Dressler: Also ich muss sagen, die Moderatoren in Klagenfurt, die sind echt Weltklasse. Die verstehen es wirklich die Spieler zu motivieren, ein guter Moderator und ein tolles Publikum kann echt pushen.

Bei der WM in Wien kommen 10.000 Menschen in das Stadion. Nervös?

Kunert: Es ist eine Mischung aus Nervosität und Freude, aber es ist keine bremsende, blockierende Nervosität. Ich freue mich total darauf, es wird sicher ein super Event!

Vielen Dank für eure Zeit! Dann bleibt mir nur noch zu sagen ihr seit jetzt offiziell gemazlt. Toi, toi, toi für die WM, wir sehen uns im Stadion.

P.S.: So sieht das Ding aus, das ihr so gern hättet 😉

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