Das Liquid Mountain Surfhouse in Aljazur, (Vale de Tehlo)

Happy Travel

Denke zurück, ich hab Sachen gesehen, könnte Geschichten erzählen, könnte ein Buch voll schreiben und einen Kinosaal füllen.  (Vearz)

Ich bin am Weg Richtung Aljazur, einer im Süden Portugals gelegenen kleinen Stadt. Hier werde ich meine letzten 2 Surf- Wochen verbringen. Eigentlich vergeht diese ganze Reise wirklich schnell und immer schneller, ich mache mir Gedanken über Zeit.

Meine Fahrt findet eher im Landesinneren statt. Ich genieße es, fahre zügig, hier gibt es keine Geschwindigkeitsmessgeräte entlang der Autobahnen, beziehungsweise diese zeigen sich mir nicht erkenntlich. Da die Autobahnen auch im Privatbesitz sind mache ich mir keine Sorgen hier von meinen Freunden, der Rennleitung , erkennbar an den mit Zeitmessung und Blaulicht ausgestatteten Pacecars, gestoppt zu werden. Auch weil ich nach zwei Wochen fundamentiertes Wissen über portugiesische Arbeitsmoral angehäuft habe. (Tun nur das, was notwendig ist und chillen ihr Leben, bewegen sich extrem langsam, sie wissen, sie bekommen nicht viel bezahlt, warum dann Stressen? Also meine Lieben Kollegen beim ORF wir sind Portugiesen!) Das und Gottlob, die immer noch sehr präsente Wirtschaftskrise in Portugal, lassen mich sicher fühlen, dass kein portugiesischer Polizist, solange ich nicht auf frischer Tat ertappt werde, einen in englischer Sprache verfassten Brief nach Österreich schickt um etwas von mir einzufordern. Ich werde, sobald mein Kennzeichen lesbar ist, durch jedes Planquadrat einfach durch gewunken, auch Maut muss nicht unbedingt gezahlt werden, bei den Telepass- Stationen ganz links gibt es keine Schranken, doch aus schlechtem Gewissen und man soll das Glück ja auch nicht überstrapazieren, bleibe ich bei jeder vierten Mautstelle stehen und bezahle artig. Ich schlussfolgere, aufgrund des Bekanntheitsgrades unseres Schwarzenegger- Englisch ist es dem Rest der Welt einfach zu deppert sich mit einem Österreicher hin zu stellen und in englischer Sprache zu diskutieren. (Tatsächlich wurde ich nur ein einziges Mal von der portugiesischen Polizei aufgehalten, aber nur weil sie sich einen Alkotester aus dem Nachbarort ausgeborgt hatten und wirklich jeden kontrollierten, oder doch eher dieses Wunder der Technik jedem präsentierten , selbst Kinder durften rein pusten wenn sie wollten). Auch aus sicherheitstechnischen Gründen, wenn rasen, dann in Portugal , denn erstens kaum ein Privater kann sich die Autobahn-Maut leisten und wenn sich einer diesen Luxus gönnt, verirrt er sich nie, aber wirklich nie auf die linke Spur.  Ganz einfach weil die Portugiesen Sprit sparend fahren müssen, als Tourist auf einer Landstraße treibt es dich in den Wahnsinn, aber Benzin kostet dort im Verhältnis ein Vermögen, deswegen zuckeln alle komplett entspannt auf der rechten Spur dahin und wundern sich über Spanier, Franzosen, andere Touristen und Profifußballer die komplett Irre auf den leeren, linken Bahnen vorbei pressen. Hier gibt es kein richtig oder falsch, hier gibt es gegen kleines Geld unbewachte, fast leere Autobahnen.

Zeit/Sinn- Gedanke: Ich sitze für Tage in einem Auto,  3000 Flugkilometer weg von der Heimat, um zwanzig Minuten surfen zu können! Das ist die Gesamtzeit eines durchschnittlichen, mitteleuropäischen Surfers, stehend auf einer Welle, während eines Surftrips . Nimmt man einen vierzehn tägigen Urlaub, was sich der normale, irgendwo angestellte österreichische Wellenbezwinger im Jahr leistet.  Minus zwei Tage für An- und Abreise; dazu gibt es immer auch einen Ruhetag oder Tage an denen Wellen einfach zu flach sind, schon ist man bei zehn Tagen im Ozean. Ich gehe mit einem Durchschnitt von zwei Sessions pro Tag aus, heißt  zwanzig Sessions pro Reise. Die meiste Zeit, je nach körperlichem Zustand, ist man circa zwei Stunden im Wasser und reitet vielleicht zehn Wellen. Selten dauert ein ritt länger als sechs Sekunden, was bedeutet eine Minute netto surfen pro Session. Man verbringt also pro Urlaub vielleicht zwanzig Minuten mit tatsächlichem Wellen reiten, klingt nicht so nach dem Monster Spaß.

Wie auch immer, für diese zwanzig Minuten, werden sechzehn Stunden Flüge gebucht, quartieren  sich Leute in schäbigen Hostels, Zelte ein, oder quetschen sich in alte, rostige Busse, die eigentlich schon vor über zwanzig Jahren verschrottet hätten werden müssen. Warum tut man sich das an? Warum tue ich mir so etwas an? Weil zwanzig Minuten „stoke“ sind für mich auf jeden Fall mehr Wert, als zwei Wochen All inclusive in einer Fünfsterne- Hütten (Hittn) in Ägypten, Tunesien oder der Türkei. Also ich werde versuchen das Beste aus meinen mir letzten zwanzig Minuten raus zu holen! It’s all about being prepared- in life as well as on the road.

Überhole vor einem Kreisverkehr ein blondes Mädel in einem sau alten, roten Renault, weil ihr dieser abstirbt. Im Rückspiegel sehe ich wie sie herumfuchtelt und den kleinen Berg rückwärts runter rollt. Klarer Fall; Jungfrau in Not! Im Kreisverkehr gewendet und entgegen gefahren, sie rollt noch immer, geistesgegenwärtig fahre ich Motorhaube an Motorhaube um gleich mit meinen Starter-Kabeln erste Hilfe zu leisten, sie winkt mir, doch stehen bleibt sie nicht. “Heast, jetzt steig halt amal auf die Bremsen oder gib einen Gang rein Blondie“, denke ich mir, sie bleibt prompt stehen, das hat unnatürlich ausgesehen.     „Oida, i hos des scheis Auto, jetz warad a ma grod amol ongsprungen und jetzt vastölst ma du do den wäg“ Na klar wo sonst? Passiert nur mir, willst in Portugal Pannenhilfe leisten und kannst dich von einer Kärntnerin schimpfen lassen, Bravo Marcel. Ich tauche sie sammt Auto vom Randstein der sie gestoppt hatte weg und ihre Kraxen springt wieder an, „Gern geschehen, sag weißt du wo ich hier H 68 finde?“ „ Na des was i nit, bin erst seit 2 Monat do.“ Wie sich später heraus stellte war das die Friseurin meines gesuchten Surfhauses, nochmal Bravo! Klischee bestätigt!

WO IST DER SPAß?

(MITN GUATEN KARMA AUF A JAUSN)

Also keine weiteren Verzögerungen, eingecheckt im Österreicher Haus Liquid Mountains Surf Lodge, alles hier sau cool! Schönes Haus, toller Garten; Mini-Ramp; Pool; Dobermann; Chill Out Lounge;  daneben die Bar; schöne Menschen; meine ersten Österreicher seit 6 Wochen! „Kumm wir gehn aufs Sardinenfest!“ –„ Jawoii i bin dabei!“ Sardinenfest Ende, „Kumm wir gehn zur Afterparty!“ –„ Jawoii i bin dabei!“

„He Leute ich werd scho heimfahren, bin doch heute erst angekommen, bin recht müde.“ „Jo gor ka Problem, servas bis Muargn“

Auf dem Weg heim bringe ich noch einen Autostopper aus Norwegen in einen nahe gelegenen Nachbarort. (Autostopp, dort so normal wie, bei uns ein Leberkassemmerl essen, macht man nicht immer, aber bringt einen ned um)

Vorm Surfhaus angekommen, alles Dunkel, MOMENT – DOBERMANN! Fuck da war doch vorher ein riesen Hund, waren das zwei?! Was mach ich denn jetzt? Also, als Fremder bei Nacht und Nebel in Langenlois in den Garten steigen würde ich mir auch überlegen, ich hänge halt doch a bissl an meinem Pfirsichorscherl.  Ja? Nein? Ich beschließe Nein, also Option 1, saumüde erste Nacht im stinkenden, gerammelt vollem Auto schlafen, die anderen werden eh bald kommen. NEIN, werden sie nicht, es ist halb fünf in der Früh! Die waren schon da, vor mir! Alle bis auf einen, meinem Helden den unermüdlich feiernden Jason Gundada, DJ aus Innsbruck. Ich erkläre ihm die Situation und zusammen marschieren wir an Rocco dem halb blinden Dobermann mit dem Gemüt eines Schafes und an Lani dem kleinem irgendwas, ich glaube Pinscher vorbei. “Was? Das war’s? Die haben ned amal gebellt! OIDA FUCK!”

Die nächsten drei Tage vergehen unglaublich flott und wahnsinnig schön, die Algarve Küste ist traumhaft mit den zerklüfteten Klippen und den Sandstränden, das Wetter herrlich. Ich versuche mich in der Miniramp (danke Seppo). Talent sieht anders aus, verbringe eine gute Zeit mit Euan und Nelly beim Stand up paddeling, ah ned wirklich meins und auch in der Gemeinschaft fühle ich mich gut aufgenommen, als Wiener unter Tirolern, Salzburgern und Kärntern ned immer ein leichtes Los, aber voll in Ordnung, ich zähle mich mehr zu den Exoten wie dem Schotten, dem Chinesen oder den Deutschen. Wir werden bei Spotguided Touren, je nach Swell an verschiedene Strände gefahren (danke Dani und Pippo), alles passt ich sammle Kraft und ordne mich, es gibt gutes Essen (danke Matscho, danke Bree), bis auf meine Freunde und Familie, fehlt es mir an nichts und auch der Deutsche aus Lissabon hat mir schon bestätigt, dass er mir in der kommenden Woche nachreisen wird. Trotz dieser perfekten Bedingungen verkrampfe ich und verliere plötzlich den Spaß am Surfen. Absolut keine Ahnung warum, vielleicht weil mir klar wurde, dass es bald zu Ende geht?  In jedem Fall muss ich meine negativen Gedanken bitter bezahlen, beim surfen selbst, erwische ich kaum eine Welle, wenn dann Nosedive ich wie ein Großer, oder ich komme erst gar nicht hinter das Line up, während sich Sebi sowieso und auch Thomas, einen Ride nach dem anderen holen. (Zimmerkollegen)  Auf Deutsch ich schlucke sehr, sehr viel Salzwasser und paddel viele leere Kilometer. Dazu kommen tolle, motivierende, intelligente Sprüche wie:“ Ja, ja Surfen besteht zu 90% aus paddeln!“ „Des sieht leichter aus als es ist!“ Damit nicht genug beschließt das Karma mich für meine nicht bezahlten Mautgebühren büßen zu lassen, als erstes sticht mich eine Biene, harmlos, dann habe ich eine riesen Scherbe in meinem Orangensaft, seltsam, und was dem ganzen die Krone aufsetzt einen bösen Stromunfall! “Hey Karma ich habe einen Autostopper mit genommen!” Eine Maus oder anderes Getier empfand die Isolierung eines Verlängerungskabels als ganz besonderen Gaumenschmaus. Jippie!!! Mich reißt’s wie einen Technofreak schwer auf Ecstasy.  FI-Schalter gibt es hier nicht so wirklich, das heißt es beutelt einen schon recht her, wenn man auf den ledigen Draht greift. Gottseidank fällt mir das Kabel aus der Hand und glücklicherweise hatte ich die Idee verworfen vorher schwimmen zu gehen. Ich seh Engerl, “Lieb Jesukind lass mich hier nicht verrecken!“ Mir wird richtig schlecht, mein linker Arm schmerzt, ich muss was ändern!

LAUGHTER IS A NATURAL HUMAN RIGHT! (OR LEFT?)

Nächste Surfsession werden wir von Börni begleitet, echt ein cooler Typ, er ist auch den ganzen Weg mit Freundin und Fiat-Bus hergereist und möchte noch weiter nach Marokko. Er kennt Pippo den Campleiter, ist auf Besuch hier und … ja egal (Lieber Hör Ty hier gehts um mich ;)). Die Bedingungen sind sehr gut und auch das Ambiente, ein toller Sonnenuntergang passen, aber wieder einmal scheine ich mir alles zu verhauen, ich bekomme es einfach nicht mehr hin. Börni paddelt zu Thomas, der sich zu diesem Zeitpunkt auch bissl schwer tut, und mir her und meint, dass wir uns nicht ärgern sondern Spaß haben sollen. Ja klar, easy, wart die Welle hol ich mir, die wird suuuper lustig, paddel, paddel, paddel, Zack! Nosedive, der 176te, von der Sorte einmal Schleudergang, nachdem mich die Wasserwalze wieder loslässt und ich endlich wieder einatmen kann, höre ich nur ein schrilles „HA! HA!“ – „Heast hat der Typ  mich grad beinhart ausgelacht? Ist der deppert? Braucht der an Kölch oder wos?“ hämmert es mir durch den Kopf. Börni paddelt die nächste Welle an und auch er versaut sie, na warte, Thomas und ich synchron ganz laut, ganz schiach „HA! HA!“ und echt ich finde es auf einmal wieder witzig, ich muss wirklich lachen. Nach und nach löst sich die Verkrampfung und wir drei lachen uns gegenseitig laut aus, wie die ärgsten Happeln, aber wir pushen uns und tatsächlich nach drei endlos scheinenden Tagen stehe ich nicht nur ich reite eine Welle und auch das wird honoriert, nicht mit lachen, sondern mit einer gegen den Himmel gestreckten Hangloose Hand. GEIL! Back in the Game! Auch die zweite Woche ist grandios ich bekomme mit Dennis einen bewährten Partner, fahre Enduro, ich treibe zusammen mit zwei anderen, bei teilweise hohem Tempo hinter einem Guide eine 525er KTM quer durch die Pampas, durch jedes Gelände (Geröll, Sand, Wasser und Wiesen) HAMMER! Der Gedanke daran wird mir wohl auf Lebenszeit einen Grinser in mein Gesicht zaubern können, ich arbeite mit Jason an einem vielversprechenden Lied („Sexterroristen“, leider unvollständig) und ich schließe bei einer letzten Sunset-surf-session mit überragenden Bedingungen,  einem extrem schönen Nachthimmel meinen endgültigen Frieden mit dem Ozean.

Aljazur, Vale de Tehlo, Liquid Mountains ich sage nicht Tschüss, ich sage auf Wiedersehen!

 

 

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