Hirnfetzn: Portugal Spanien

Adeus Portugal!

Jetzt bin ich in der Betroullie, also nicht geografisch, das war die Bretagne, aber selbst der gute Herr Bank Austria Kundenberater hat mich jetzt schon darauf angesprochen. Warum ich denn nicht weiter schreibe? Aber ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben. Man erwartet etwas von mir, hm, ich könnte ansatzlos mit den Erlebnissen meiner Reise fortfahren, aber interessiert das die Leute denn überhaupt noch? Schließlich hat mich ja fast jeder schon wieder gesehen und damit habe ich unbewusst gespoilert, wie man auf Neudeutsch so schön sagt, vorgegriffen, verraten. Ich bin gesund und munter. Vielleicht sind jetzt sogar ein paar Enttäuscht?! so aller, „Scheiße! Der blede Hund, hat mehr Leben als a Katz und ham find er a immer wieder!“ , oder so ähnlich. Aber ich gehe davon aus, dass die meisten Geschichtenleser sowieso auf ein Happy End gespitzt haben. Naja und da die Welt meine Geschichten braucht, wie ein Goldfisch sein Fahrrad, lege ich mein Leben natürlich weiter schriftlich dar. Zur Einstimmung, man stelle sich vor: 33 sonnige Grad plus, in einem schwarzen Auto, die Klimaanlage ist aus Benzineinspargründen ausgeschalten und am Beifahrersitz hockt ein entnervter Germane.

„Alter das ist die reinste Hölle!“ „Ah geh jetzt folgt CD2, da sind no schönere Lieder oben, das ist Kultur mein Freund, das ist Heimat!, und da gehts scho los!“ mit einem elektrischen Surren frisst das Autoradio meine „Best of Austropop 2“ CD, ich bin glücklich, CD 1 war schon gut – PLAY – „STOARK WIA A FÖLSN; STEH I HEUT VOR DIA; NIEMALS UM DIE WAHNA WIA A VERLETZTES TIER!…“ Stefanie Werger braucht gar nicht singen, ich bin so Textsicher und singe so laut ich nur kann. Dennis neben mir bekämpft suizid Gedanken, weiß ned ob er lachen oder weinen soll, und fällt nach dem 3ten Lied in einen Komatösen schlaf, ts, wie kann der bei all den Klassikern nur schlafen? Diese Deutschen, aber Hauptsache bei „Ich habe einen Zwiebel aufn Kopf…“, abtanzen!? Mir egal ich singe die nächsten 300km inbrünstig die schönsten Hits von EAV, STS; A3 und allen anderen Größen der österreichischen Musikgeschichte und fahre so schnell ich kann, durchs spanische Hinterland in Richtung Madrid. So schnell ich kann? Ja, uns war ein kleines Hoppala passiert. Wir, als dynamisches Duo, hatten uns um ca 400km bei unserer Routenplanung von Portugal nach Spanien verschätzt, jetzt war es aber so, dass er seinen Flieger vorm Abflug und ich mein Mädel vor der Landung erwischen musste und deswegen hielt ich es mit dem Gaspedal und der daraus resultierenden Geschwindigkeit meines Fahrzeugs, wie mit meinem Milchtrinkverhalten, einfach VOLL ! Nur Vollmilch, nur VOLLGAS! Szenen die stark an das Intro von Knight Rider erinnern, da wird auch durch eine Wüste gefetzt, hinter dem Wagen eine Staubwolke, nur anstatt der schwarzen Corvette, halt ein schwarzer VW Golf. Ja und anstatt der reißerischen Hintergrundmusik spielts halt: „Gestern fahr i mit der Tramway Richtung Favoriten, …“

Hola Madrid!

Endlich und gut in der Zeit AEROPORTO MADRID, Dennis und ich wissen, jetzt ist es soweit, niemand weiß ob wir uns wiedersehen, war echt eine coole Zeit. Doch wir sind Männer, Klatsch! Klatsch! der Greco-Abschied, drehn uns um und gehen unsere Wege, kein Blick zurück, kein Servus, eiskalt, aber saucool, so muss das sein. Aber auch mein Gefühl sagt, Ach der kommt wieder! Irgendwann!, oder nie.

Er kommt schneller wieder als man meinen könnte! Falscher Tag! Wir zwei Speziaisten! Deswegen haben sie uns so komisch angesehen beim Auschecken und deswegen ist soviel Geld zurück gegeben worden.WIR RAUSCHKINDER! Ich bin völlig umsonst, wie ein gestörter nach Madrid gepresst. Ich denke das überinflationäre Alltagswort SCHEISSE! Ist jetzt mehr als angebracht. In so einer Situation kann sich der eine oder andere schon vorstellen, wie ich durch die Decke gehe, hochroter Schädel und fest schimpfen und ja ich entäuschte auch hier nicht, ich habe einen Rappel bekommen wie selten zuvor,ich habe geflucht, gewütet, wir haben uns angeschrien wie Affen, Begriffe wie, du Trottel, oder Fetznschädel, zählen zu harmloseren und kamen von ihm so wie von mir, doch dann Stille. Dennis schaut mit böser Miene, verschränkten Armen auf das Mamormuster des Flughafenbodens, ich schau desillusioniert ins Narrenkastl , diese Stille, vom Gefühl her, der ganze Flughafen beobachtet uns und wartet wie diese Seifenoper mit dem Finalen Knall endet. Plötzlich wie auf ein geheimes Zeichen drehen wir uns zueinander um, ich schau ihn an, er mich, beide haben wir den Drang diese Stille zu durchbrechen :“Oida schaust du deppert aus wennst bös schaun willst“ „Ja eh und du hörst dich sau blöd an wenn du auf wienerisch hier rum laberst du Spast!“ Wie zwei trotzige 12 Jährige, ich muss lachen, er beginnt zu grinsen, ich pruste Los, „Haha das bleibt unter uns!““Na aber sowas von!“ Wir haben Bauchweh vor lachen und können nicht mehr. „Ich hätte dir fast eine gescheuert!“ “Da hättest da eh nur weh tan, du Kasperl!“ ….

Als die zwei Lebenskünstler die wir sind, schnell ein Hostelzimmer, so billig wie möglich, gebucht und als wiedervereinte nie getrennte Partybrüder sehen wir uns das Madrider Night Life an. Mit Handbremse zwar, denn Morgen darf auf keinen Fall gelten: „Wegen Gestern, Heute schirch!“

Klatsch! Klatsch! „Servus!“ Echte Männer

Hallo mein Schatz!

OK, Der Flieger ist gelandet.

Ich werde nervös, Warum? Sie kommt wirklich, Sie, selbstzweifel, ach ich hätte mich rasieren sollen, was anderes anziehen, Kappe rauf , runter, scheiß Haare, viel zu lang, also Kappe rauf. Riechcheck, passt, Kaugummi, passt, shit ich hab keine Blumen oder irgendsowas, egal ich küsse sie einfach, oder vorher sagen dass ich sie vermisst habe, oder nur umarmen? Fuck was mach ich jetzt? Knie zittern, reiß dich zusammen, ja, aber, ist sie das? Nein, scheiße ich weiß nicht mehr wie sie aussieht! PANIK, wie war der Name nochmal? Schatzl genau.

Es ist skuril, es war kein Problem als, ich vor Stieren gelaufen, mit dem Skateboard Rampen bezwungen, mit dem Motorrad über Stock und Stein gerast, oder alleine bei Regen und auch Dunkelheit dem Ozean trotzte, aber meine Nerven spielten Achterbahn. Nach 7 Wochen Freundinnen Abstinenz, löste Sie ,mit ihren maximal 50 kg als Nasser, etwas in mir aus, das ich davor für unmöglich hielt, Furcht, ich hatte wahnsinnige Angst vor Ihr.

Zu meiner Verteidigung wir waren zu diesem Zeitpunkt gerademal 14 Wochen zusammen, davon wie gesagt 7 Wochen ohne einander, also war ich unter Einfluss von Frisch- verliebt- Hormonen, meinte bin ich noch, was meine zeitweise Verwirrtheit erklären würde.

Unendliches Warten.

Und dann ein Schatten, eine schemenhafte Figur mit schlanken Beinen bewegt sich von links kommend, hinter der Milchglasscheibe, die eine Trennwand zum Warteraum bildet, in Richtung Ausgang. Meine Aufmerksamkeit gehört nur diesem Schatten; Proportionen passen, Bewegungsablauf bekannt, ich bin mir sicher, kenne plötzlich jeden Millimeter bis ins kleinste Detail, starte hin zur undurchsichtigen Schiebetür, langsam öffnet sie sich, „Meine Damen und Herren hier ist Ihr Herzblatt“, NOT! Fast hätte ich einen kleinen Thaiwanesen zerknuddelt, der sich da von der rechten Seite noch vor meine Liebste gedrängt hatte und sich meiner Wahrnehmung, möchte sagen heimtückisch, entzogen hatte. Aber meine Sinne belogen mich nicht, alles Warten wurde belohnt, Sie, die Eine, war derjenige Schatten gewesen und mit einer eleganten Rolle um den Asiaten landete ich in Ihren Armen. Lange Umarmung, Geruch, Wärme alles so vertraut, alles so vermisst, alles so selbstverständlich, ein Kuss, kitschig ich weiß, aber absolut notwendig! Ein wunderbarer Moment, einer den jedes Pärchen im Laufe einer Beziehung mal durchmachen sollte. Ich glaube dieser unfreiwillig, freilwillige Verzicht von gemeinsamer Zeit hat mir wahrscheinlich echt aufgezeigt was ich nicht mehr missen möchte und das ist Sie. Es ist klar meine Reise wird sich jetzt ändern in ihrer Art. Ich habe dem Ozean den Rücken gekehrt, dem Abenteuer des einsamen Wolfes fürs Erste goodbye gesagt und bin jetzt mitten in der Spanischen Hauptstadt mit Ihr. Ich freue mich darauf in einem richtig schönen Bett zu schlafen und zu lieben . Mich nur um schöne Plätze fürs Essen zu kümmern, ein bisschen Sightseeing nach all den Aufregungen, auch ist klar, dass das meine erste Woche sein wird, in der ich vermutlich keine neue Bekanntschaft machen werde. Ich will die Zweisamkeit genießen und verliebter Tourist sein.

Königliches Madrid

Das Hotel ist allererste Sahne top of the top mit allem Schnick und Schnack, tolles Restaurant, wahnsinns Pool und auch mit super Klimaanlage. Diese beweist auch in der ersten Nacht gleich mal zu was sie fähig ist, im Liebesrausch nicht beachtet waren wir einfach so eingeschlafen.

Am nächste Morgen dachte ich, eine neue Eiszeit sei über Nacht angebrochen, ich war tiefgefrorener als Ötzi, mit Glieder und Kopfschmerzen rutschte ich über die Eisfläche zum Fenster um es zu öffnen. Fehler! Todesheiß! Binnen Sekunden wurde ich zur Pfütze und im nächsten Augenblick wechselte mein Zustand zu Dampfförmig. Kopfschmerzen wechseln von stechend zu pochend , ich kann mich bis jetzt nicht entscheiden was mir lieber ist.

Nach dem etwas holprigen Start in den Tag, machten wir uns auf zum Frühstück. Das Frühstücksbuffet war großartig und bat alles was man sich nur wünschen kann. Voller Freude wieder zusammen zu sein, machten sich, Sie und ich fertig die Stadt zu erkunden. Stadtplan! Check! Sonnencreme! Check! Wasser! Check! Geld! Check…. Das ist der Vorteil wenn eine Frau mit an Board ist, da wird absolut nichts dem Zufall überlassen, Fotoapperat! Check! Geil diese Sicherheit.

Plaza Mayor

Wir spazieren über den Plaza Mayor.

Dieser riesige rechteckige, geschlossene Platz. Man merkt das es sich um einen ehemaligen Marktplatz handelt, Wahnsinns Architektur, große Tore, die roten Mauern, alles so lebendig.

Plötzlich Surrealer Moment, Zeit verlangsamt sich, doch wir gehen nichts ahnend weiter und weiter. Plaza Mayor : Lebendig, vielleicht nicht alles, und rot war auch mehr als die Mauern, rechteckig und geschlossen trifft ebenfalls auch auf eine gelb, schwarz gestreifte Absperrung zu, aber belebt, ja fast tumultartig könnte man sagen, blieb es. Was wir sehen ist ein verstörendes Bild, hier am Rande einer der vielen Bögen, inmitten der Menschenmassen, nahe einem der vier Eingänge dieses geschichtsträchtigen Platzes, sehen wir letzte Spuren eines Gewaltverbrechens. Viele Polizisten in Sonderuniformen versuchen mit mittlerweile blutrot, gefärbten Schaufeln die letzten Reste einer armen Seele zusammen zu schaufeln, was nicht erwischt wird oder geschaufelt werden kann wird als rote Brühe in den Kanal gespühlt. Was passiert ist weiß niemand, aber sicher ist, ein Mensch hat auf grausame Weise sein Leben gelassen. Makaber oder nicht, aber auf jedenfall Skuril. 20 Meter weiter schreckt ein Puppenspieler ein paar Kinder mit einer dreiköpfigen Gruselpuppe. Die Zeit nimmt wieder ihre normale Gestalt an, wir waren nicht stehen geblieben, hatten nicht gegafft oder ähnlich Sensationsgeiles, trotzdem brannten sich die Bilder in mein Gedächtnis. „Lächel mal!“ klick, Foto, Sie hatte anscheinend von dieser Szenerie nicht viel mitbekommen, oder Sie wollte sich einfach nicht den Ausflug vermasseln lassen, keine Ahnung, wir haben nicht darüber gesprochen, aber ich beließ es auch dabei.

Die nächsten zwei Tage zeigte sich Madrid von seiner besten Seite, wir betranken uns mit tollen Cocktails und netten Leuten, in Bars auf Hochhaus Dächern, bewunderten das Estadio Santiago Bernabéu und liefen bei schönen Wetter Kilometer um Kilometer um alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, verrannten uns in der Innenstadt, stritten uns beim Kartenlesen , fuhren mit dem Taxi zurück zum Hotel, erkundeten Tappasbars und spanischen Wein, kurz, wir genossen es zusammen zu sein, einzig der Hotelrezeptionist war ein absoluter Ungustl, Herbert Prohaska würde ihn vermutlich anders nennen, nämlich so wie ich gerne würde, aber naja sagen wir, er war aber mal so ein richtiges Lemurenkind, doch Gutmensch, der ich bin, versuchte ich zu helfen und gab ihm den Rat seine Kunden nicht, mit der chlorhaltigen Brühe, die dort aus der Wasserleitung tropft, zu vergiften und referierte ihm einen monologen Vortrag übers Wiener Hochquellwasser.

 

Die Sonne fällt dem Horizont entgegen und wir machen uns müde, aber voller vorfreude auf den Weg nach Katalonien zu dieser großen Stadt am Meer. Danke Madrid! Nie wieder! (Zumindest ned so schnell)

Euer Gschichtldrucker

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