Lissabon

Lissabon, sehen und sterben?

Mein nächster Stop ist Lissabon. Ich möchte ins Lisbon Surfhouse einchecken, dem Grund für meine Surftour, hier hatte ich das letzte Jahr eine echt gute Zeit und hier wurde ich mit dem Surfvirus infiziert.

ABER

Jedesmal, wenn man in ein neues Hostel kommt die selbe Leier, alle schauen einen an, Smalltalk wird geführt, „„Wie heißt, von wo bist, was machst?“

Mittlerweile schon zum 5ten Mal. Unwohlsein macht sich in mir breit und nicht wegen dem Saufgelage des Vortages. Meine Gedanken sind negativ – kurz und ehrlich, ich hab jetzt ned wirklich an Zahrer drauf, auf die ganzen Gspritzten aus aller Herren-Länder, noch dazu hab ich es gestern in Porto noch einmal so richtig krachen lassen und schon wieder hieß es, gerade erst neu gewonnenen Bekanntschaften den Rücken zu kehren und weiter ziehen. Ich bin müde und restfett, also sprechts mich ned an, ich will nur schlafen! All das soll mein Blick vermitteln, aber ich bin viel zu spät dran und finde Nuno den Surf House Leiter nicht. Also doch die anderen ansprechen: “Hey have you seen Nuno?“- „He‘s on the way!“ Konversation beendet, hervorragend! Normalerweise! Wenn mich nicht Hunger und Durst quälen würden zusammen mit der Panik es könnten am Samstag Abend schon alle Geschäfte geschlossen sein, ich will nicht aber ich muss. Ein kurzer Satz noch, easy mit Ja oder Nein beantwortbar. „Do you know are the shops still open?“ Dieser Satz ist das Ticket für meinen Eintritt in die Hölle! „Hi I’m Blablabla and I’m from Blabla, this is my friend Blabla we are staying for hmhm weeks…..“ – “NICE; It’s allready late, do you know what time the shops are closing today?” frage ich noch einmal höflich, mit dem soweit mir möglich, süßesten grinser. “Yes, could be, I don’t know, the supermarket is one station with the train, than you turn to the left, go downstairs…” “Was I scho, wor scho do; Sank yu, Tschau!” dreh mich um spring ins Auto und weiß nicht ob ich lieber mir ins Hirn schießen soll, oder die Alte umblas. Rase zum Supermarkt. Nach einem ersten Snack, einem kühlen Pakerl Kakao und dem Kauf von 6 Litern Wasser bessert sich meine Laune und ich fahr zum Haus zurück.

Nuno empfängt mich herzlich und zeigt mir meine Schlafstätte, die über eine Hendlleiter erreichbar ist. Dort sitzt schon irgendein Happel, Grüßt aber recht freundlich und grinst mich an. Es ist Dennis aus Germany.  Freude kommt auf, kann ich bitte ned lieber wieder fünf Südkoreaner als Zimmergenossen haben? Doch dann macht der Kerl genau das richtige, er lässt mich ohne zu reden mein Platzerl einrichten und kümmert sich selbst um irgendetwas, danach fragt er ob ich auch ein Bier möchte. Das ist der Beginn einer echten Männer- Freundschaft. Auch weil die anderen den Ersteindruck bestätigen, Humor resistent zu sein, verbringe ich die nächsten Tage nur mit diesem Typen, wir ziehen gemeinsam durch die diversen Lissaboner Clubs, begeben uns auf Sightseeing und gehen gemeinsam essen, der Schmäh läuft bei uns extrem gut, aber auch über interessante, tiefsinnige, schwere Themen wird einfach philosophiert. Es kommt mir vor als kenne ich diesen Marmeladinger schon ewig, wir haben sogar eine zusammengelegte Geldkasse, nach nur zwei Tagen, STRANGE, aber wir sind auf derselben Welle, also passt schon.

Vielleicht weil surfen selbst, dort nicht so gelebt wird, wie an den anderen Spots, bin ich surftechnisch sehr enttäuscht. Sicher, es kann nicht überall und immer gute Bedingungen geben, aber ich vermisse das Feeling das ich hatte als ich hier zum ersten Mal war. Die Gäste sind wirklich eigen, passen nicht hier her, sind einfach nicht cool, nicht chillig, so langweilig, so korrekt, so nervig, sie gehören zu den Menschen die sich aus Überzeugung nur mit Kernseife waschen. Eigentlich könnte es eh ein witziger Mix sein. Beim gemeinsamen Tapas essen bei El Gordo findet sich sogar ein gemeinsamer Feind aber dann doch wieder einfach, Nein! No Way! Ich werde nicht richtig warm, mit diesen Leuten. Es gibt hier eine Deutsche Dame, ein schwedisches und ein norwegisches Pärchen, ein paar Engländer, Ungarn, eine ruhige Schweizerin mit der Geduld eines Engels, einen coolen Holländer (Jap) und uns, doch es stellt mir die Nackenhaare auf wenn ich nur an diese inhomogene Gruppe denke, bei jedem Mittagessen und jeder Fahrt im Bus wurden Dennis und ich, teilweise auch Jap, der sich aber sowieso von der Gruppe distanzierte, da er wo anders wohnte, mit unglaublich dummen Dialogen gequält. Dialoge wie, ich wusste gar nicht das Luxemburg ein Land ist bzw. dass es existiert, der Fisch hier ist so salzig (die arme Sardine wurde übrigens mit einem Löffel malträtiert, ich saß Fassungslos daneben und konnte nicht mal mehr den Kopf schütteln), oder Traumurlaub Kosta Ritsche (Costa Rica). Ich war mir sicher hier ist das Epizentrum aller Dummheit der Welt. Auch kann es daran liegen dass das Team bis auf Nuno komplett gewechselt wurde. Es sind neue Surflehrer hier, die so lala sind, ich finde das Wort nicht, aja doch: Dubios. Diese Surflehrer, einer sogar extra aus Brasilien eingeflogen – Bravo, so eine Geistesgröße hat Portugal echt gefehlt (ein Bild sagt mehr als tausend Worte, Brille, Kette) – sind permanent auf Koks, aber mal so richtig, kein kleines Naserl für einen lustigen Abend, die sind komplett drauf. Immer! Da ist surfen nur Fassade , Sauproleten die absolut jedem, wirklich ohne Ausnahme, jedem im Ansatz weiblichen Geschöpf nachpfeifen und auf derben Portugiesisch, gesten reich hinterher schreien. Ja mein Portugisisch ist mit Obregado (Danke); Bom Dia (Guten Morgen); Brios (Blasen) sehr begrenzt, aber durch die Gesten der beiden, bedurfte es keiner Übersetzung.

All diese Umstände trübten den Spaß. Mein Kollege und ich beschlossen ein bisschen Abstand vom surfen zu nehmen und uns Sintra anzusehen. [Aufklärung Brios: auch sehr witzige Geschichte; Immer nur Croissant bestellen, niemals Briosch (Kipferl) sagen, „Can I have a Briosch?“ führt zu komischen blicken und schallendem Gelächter im ganzen Restaurant, da es im portugiesischen Slang Blowjob bedeutet]

Sintra unerwartetes Abenteuer

Wir wachen circa um 13:00 komplett steif auf, der Schädel dröhnt und ich fühle mich komplett überfahren. Auch gestern Abend ist es wieder spät geworden und viel zu viel Geld wurde für Alkohol ausgegeben. –„Hey komm steh auf wir fahren jetzt los, gibts ja ned, wir verschlafen den ganzen Tag!“ –keine Antwort nur knurren,  40 Minuten später – „Sintra ist ja das volle Dreckskaff, was willste denn hier, mein Wiener Schnitzel?“- „Herst Deutscher, komm jetzt ess ma was und dann schau ma uns a Schloss oder so an, hab gehört da gibts einen unterirdischen Turm, den würde ich gerne sehen.“ Das nächstbeste Restaurant ist gut genug, setzen uns auf einen Tisch im Garten, sofort eilt ein Kellner herbei und scheucht uns wieder auf. Wir sollen uns bitte weiter zur Mitte setzen, „Warum? Sind wir keine gute Werbung?“ – „Nein, das ist ein 8 Personen Tisch und ihr seit zwei!“ Das Argument lass ich mal gelten. Doch der um Witz bemühte Kellner macht einen Fehler, er deckt uns das Besteck auf, und labert uns eine halbe Stunde lang voll, anstatt uns als erstes unser Bier zu servieren. So prallt jeder seiner Witze an uns verkaterten Gestalten eiskalt ab und wir werden mit jeder verstreichenden Minute grantiger und er nerviger. Das Essen baut uns auf und nach zwei Kaffee fahren wir tatsächlich zu einer wunderschönen Parkanlage, einem tollen Schloss und dem unterirdischen Turm, der wirklich sehenswert ist, wir finden gefallen an unserer Touri- Rolle, stapfen durch Höhlen, Parks, enge Gassen, schauen in verschiedene Künstler-Ateliers und machen tausende Fotos. Es gefällt uns hier, unsere Laune ist Top, außerdem treffen wir Sophie und ihre Schwester Kitty, zwei Freundinnen aus Wien, mit denen wir uns zu einem Abendessen verabreden.

Unsere frische Motivation ist stark, wir wollen noch hoch zur großen Mauer, wir Idioten.

Es zieht ein Unwetter auf deswegen beschließen wir mit dem Auto rauf zu fahren und nicht zu Fuß zu gehen, so fahre ich im Hinterland Sintras herum, nirgends, irgendwo eine Spur von dieser depperten, großen Mauer. –„Ich habs doch vorher noch gesehen?!“-„Ja die muss da drüben sein!“ – Wir hatten die Zeit vergessen, es war schon viel zu spät und die Parkplätze waren durch große Zäune abgesperrt, so dass wir nicht erkannten dass es Parkplätze sind. Dann entschließe ich mich eine Abzweigung zu nehmen und einen kleinen unscheinbaren Weg, der immer enger wird, entlang zu fahren, Rally-feeling kommt auf, wir lachen. Das muss der richtige Weg sein, er führt hinauf! Immer steiler und immer enger , aber auch steiniger und dann gibt es da noch ein fettes, riesiges Loch in der Mitte der Straße. Kein Loch eher ein Riss der so tief und groß ist das es nur zwei schmale Spurlinien gibt und dazwischen ist einfach nichts. Ich fahre weiter, besser gesagt Testosteron fährt weiter, denn ich muss ja zeigen was für ein guter Fahrer ich bin, in der Mitte des Weges bleibe ich stehen und zögere, Testosteron gone,  ich komme zur Überzeugung, ich lass es, es ist zu gefährlich und ich brauche mein Auto noch, ich hab immerhin noch 3500 km Reise vor mir. Diejenigen die mich kennen wissen bereits, dass ich normalerweise solche Gedanken gar nicht habe und schließen richtig daraus, dass ich mitten in der Scheiße sitze (komisch, dass meine innere mahnende Stimme, sich genau so anhört wie mein guter Freund Steini, von wo das wohl kommt?). Ich lass mich langsam zurück rollen im rechten Seitenspiegel sehe ich einen fetten Stein, leicht lenke ich ein um auszuweichen.

KKKKKKKKKRRRRRRRRRAAAAAAAAAAACHHHHKRAWUUMMM

„FUUUCK, FUCK;FUCK;FUCK! Halt jetz ja die Pappn!“ –  Versuche die Türe aufzumachen, BENG! Geht ned, ich schau Dennis an und drück aufs Gas. Reifenqualm, quietschen, fliegender Sand, Kupplungsgestank! „SCHEIßE, Oida, wir hängen fest“ Über die Beifahrertür kletter ich aus dem Auto um mir mal die Sachlage anzusehen. 5 Sekunden Einatmen, 5 Sekunden ausatmen, ich habe gelesen diese Technik wenden auch Navy Seals in Stresssituationen an, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, es hilft mir, ich erkenne das Problem und arbeite an einer Lösung dafür.

Die Sachlage mein braver, Golf V war auf der vermeintlichen Straße mit 15% Gefälle, zu ¾ in den 43 Zentimeter tiefen, 9 Meter langen und 1,5 Meter breiten Riss, seitlich, auf der Alu-Felge gerutscht und hat sich dort eingeklemmt. Die Wände des Risses bestehen aus scharfen Beton, der Untergrund, auf dem Vorder- und Hinter- Reifen aufliegen, ist Sand, in welchem ich mich dank meiner Gas-Aktion auch schön hinein gefressen hatte. Ich sammle flache Steine ein um sie unter die Vorderreifen zu legen. Antauchen, Sinnlos, ok neuer Versuch wird gestartet, ich jumpe noch einmal ins Auto: „Bitte lieber Gott, lass mich ned im ärgsten Dreckswetter, mitn Piefke im nirgendwo stecken bleiben!“ 1. Gang, leichtes Gas, das Auto bewegt sich, ein kleiner Rumpler und leider nein, die Steine fliegen weg, ich falle zurück. Wieder ein grelles Scher-Geräusch, es schmerzt, wie Messerstiche in meinem Herz. Anderer Plan, Rückwärtsgang Vollgas und wirklich, ich katapultiere den Golf und mich aus dem Bunker.

-Wuhuu, wusst ich’s doch, ich komm da raus! –

Schadensbegutachtung: Zu meinem Glück sind nur zwei Felgen komplett abgeschert, ist zwar bitter, aber der Reifen hat fast keinen Schaden genommen und ich kann einfach weiter fahren. Boah, das hätte ein Achsenbruch sein können, oder ein schwerer Blechschaden, was für eine Masen. Geil! Gut ist’s gangen nix ist g’schen! Ich muss lachen, bin aber den Tränen fast näher. Es ist 21 Uhr, jetzt mach ma aber mal sooooo richtig Party, schnell buchen wir uns in ein Hostel in Sintra ein und noch schneller bestelle ich 2 Liter Sangria, wie der Abend dann noch an Schwung annimmt, in einer komplett irren Bar, mit total lieben Portugiesen, wie dem Kellner Chico und den beiden Wiener Mädels ist eine Geschichte für sich und schwer in Worte zu fassen, auf jeden Fall besser kann ein Tag oder auch die Woche gar nicht ablaufen. Ich habe wieder gutes Essen genossen, tolle Menschen kennengelernt, manche vielleicht bissi strange, aber Freunde gewonnen, irre viel Spaß gehabt, eine Abenteuergeschichte erlebt und bin mit einem tollen Souvenir in Form eines großen, weißen Statuen- Kopfes, eines dicken Mannes unterm Arm aufgewacht, kurz ich habe wiedereinmal gemazlt. Ich bin echt gespannt wie es weiter geht mein nächstes Ziel heißt Vale de Telho, beziehungsweise Liquid Mountain Surfhouse.

Liebe Grüße in die Heimat, euer Mazl.

 

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