Wenn gutes Rad, nicht teuer ist

BILDGESCHICHTE-BRIXTON BX125R Scrambler

Mr. Romantic in Action

Monatstag.Schon seit drei Jahren feiern meine Liebe und ich, am 19.ten eines jeden Monats, unser zusammen sein. Mal ein bisserl mehr, mal ein bisserl weniger, aber so wird zumindest einmal im Monat zu zweit mit ein, zwei Achterl am Abend angestoßen, um gemeinsam den stressigen Alltagsgeschichten zu entfliehen. Diesmal war es wieder so weit, es sollte  allerdings ein bisserl mehr sein. Ein Ausflug! Mit Action für mich und Romantik für sie. Mit ein wenig Fantasie, spiele ich das ganze Szenario jetzt schon mal im Kopf durch. (Fotos: Florian Schulte)

Wieder einmal bin ich viel zu spät dran. Es stellen sich mir Grundsatzfragen, wie, was, wo tun? Was kostet’s? und vor allem, wie bleib ich bei all der Romantik männlich genug? Ein Flug nach Paris? Zu kitschig, zu teuer! Eine Bootsfahrt? Könnte mir zu fad sein. Außerdem hat’s schon eine zum Geburtstag von ihren Freunden geschenkt bekommen.  Eine Ausfahrt mit einem Ferrari oder so! Jop, geil! Aber naaaa, sie mag ja solche Autos ned so und das wäre schon org Matscho. Verzweifelt surfe ich durch’s Internetz. Es soll ja für beide schön sein, irgendwas, wo man Spaß hat. Stille. Gedankenblockade. Doch dann die Frage: Was mach ich eigentlich gerne, aber nicht oft?

MOTORRAD FAHREN! BINGO!!!!!!!!!

Die Idee! Ein Motorradausflug mit allem Drum und Dran.

Easy. – Zufällig kenn ich wen, der wen kennt, der wieder wen kennt vom KSR Showroom in Krems und bei denen wird doch was für uns dabei sein. Nach einem Telefonat steht fest, es ist was dabei, es wird eine BRIXTON. Das trifft sich ganz gut, denn die sehr auf Café Racer getrimmten Bikes stehen schon lange auf meinem Wunsch-Test-Zettel.  So, also mein Part bezüglich Action wäre erledigt. Aber was mach ma mit der Liebsten? Brixton’s Leitspruch inspiriert mich: „Any direction. As long it is your own.“ – Na klar ich fahr so wie ich will, irgendwie halt! Stay classy: Irgendwo rauf fahren, viel Ausblick, runter fahren, Picknick, Lagerfeuer, viel Romantik. – Ich bin ein Genie!

Lederjacken und Flanell Hemd. – Rein optisch werden von Anfang an gleich mal meine Erwartungen an der Scrambler übertroffen. Ich hatte ja schon bei meinem letzten Motorrad Bericht angedeutet, dass ich nicht so der Leicht- bzw. Kleinmotorradfan bin. Daher hatte ich sicherheitshalber mein Outfit schon mal an Marlon Brando in „The wild one“ orientiert. Denn ehrlich gesagt, hatte ich ein wenig Angst, dass die 125er Brixton, mit ihren 123 Kilogramm, mich ein wenig unmännlich bzw. übergewichtig vor meiner Liebsten, die es natürlich zu beeindrucken galt, dastehen lassen könnte. Das musste auf jeden Fall durch Lederjacke und Flanell Hemd kompensiert werden. – Sie hat ja einen Löwen und nicht ein Kätzchen als Freund.  – Jetzt stehe ich vor dieser kleinen, in tiefes Mattschwarz getauchten und  auf Scrambleroptik getrimmten, 1-Zylindermaschine und sie zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Sie sieht überraschenderweise wahnsinnig erwachsen aus. Ich will, nein, ich muss sie sofort ausprobieren.

Erstmals allein a kleine Spritztour, man muss sich ja ans Gerät gewöhnen.

Fahrleistung. – Der kleine Viertakter macht wie erwartet, für mich als an Leistung gewöhnter Biker, einen etwas „sehr“ entspannten Eindruck. Trotzdem ist sie ein absolut vollwertiges Motorrad und die 11 PS ziehen einen durchaus nach vorne. Klar grobe Überholmanöver, oder lässiges hineinstechen zwischen zwei Autos beim Abbiegen, zählen mit ihr zu den weniger guten Ideen. Die Brixton gehört eher zur Kategorie „cooles Anfängerbike“. Ihr Revier ist die Stadt und dank der Stollenreifen und dem relativ großen Federweg macht sie auch auf Feldwegerln richtig Spaß. Für den gemütlichen Ausflug den ich mit meiner Liebsten vorhabe, ist sie daher perfekt.

Wenn man den relativ geringen Preis von rund EUR 2.700,– bedenkt, enthält dieses Teil ziemlich edle Details.

Putzta bista blinkta

Man, man, man! – Sie kommt bald und klar für den Ausflug muss alles perfekt sein, deswegen geschwind die Maschine auf Hochglanz poliert, den Schlafzimmerblick auf „on“ gestellt und jetzt nur noch à la Jimmy Lässig in die Tür hängen: „Hallo Baby! Schön, dass du es geschafft hast.“

Die Jimmy Lässig Pose – Ein Klassiker der männlichsten Posen überhaupt! 🙂

Sie sieht super aus und ich deute ihr freches Lachen mal als positiv. Voller Vorfreude möchte ich keine Zeit verlieren. „Komm schon Schatz, Helm auf und rauf auf’s edle Ross!“ Der Liebsten wurden vorab natürlich die Rahmenbedingungen erzählt, nur das Ziel der Reise kennt sie nicht. Tipp: Frauen sind ja auch spontan, aber sie verstehen dann doch unter diesem Begriff eine Vorbereitungszeit von mindestens einem halben Jahr. Die Erfahrung lehrt: Manchmal vorab schon ein paar Kleinigkeiten zu verraten ist nicht unschlau! Denn das richtige Outfit ist für alle Beteiligten zwecks Verhinderung von Diskussionsstoff wichtig! Da profitiert man selbst ja auch davon. Wenn die Freundin zum sexy Bikerbabe wird.

Safety First. Hübsch behelmt macht alles gleich noch mehr Spass.

Auf los, gehts los. – Petrus meint es mal wieder gut mit uns und bei strahlendem Sonnenschein gleiten wir, unfassbar cool, durch die Weinbergwelten rund um Krems. Es stimmt schon, das Gute liegt oft sehr nahe und landschaftstechnisch ist das hier wirklich eine Traumgegend. Wir genießen es, ohne große Worte und trotzdem sehr miteinander verbunden. Deswegen liebe ich Motorradfahren, die Gerüche, der Wind, ein Lupfer am Gas und sie drückt sich ein bisschen fester an mich. – Ja, das Leben ist schön.

Das Wetter ist herrlich, doch nichts ist schöner als wenn sich die Liebste an einem fest hält.

Draußen in der Natur. – Alles grünt und da wir den wirklich wunderschönen Ausblick genießen wollen, machen wir nach einer guten Stunde eine Rast. Dabei fällt ihr das erste Mal auf wie cool die BRIXTON aussieht. Quasi ein Ritterschlag für das Motorrad und meinen guten Geschmack.

„Schon ziemlich cool das Ding!“ sagt sie mit prüfendem Blick.

Schnell weiter. – Bis jetzt lief es ja ziemlich gut. Doch nun möchte ich das Ganze noch toppen. Wie vorher schon erwähnt, fand ich die Idee eines Picknicks mit ein wenig Lagerfeuerromantik ziemlich gut. Deswegen rauf auf’s Bike und weiter, bevor die Dunkelheit über uns herein bricht.

Auch bergab ohne Probleme. Die Bremsscheiben sind klarerweise an die Motorleistung angepasst, daher fallen sie nicht gerade riesig aus, aber hat man den Dreh erst einmal heraus und weiß, dass sie ein wenig mehr Kraft am Hebel braucht, bremst die Kleine einwandfrei.

Die Überraschung scheint gelungen. – „Na das Feuer hast aber schnell g’habt!“ sagt sie überrascht. Ich quittiere diese Meldung mit stolzem schweigen, wobei die weit größere Leistung war ja eigentlich das Motorrad im Sand des Donaustrandes sicher abgestellt zu haben. – Ja richtig gelesen, es gibt hier Stellen mit ziemlich geilem, feinstem Sandstrand. Kaum zu glauben, aber wahr! – Rasch haben wir es uns gemütlich gemacht. Die Donau fließt gemächlich an uns vorbei, Vögel zwitschern und  die Abendsonne färbt die Landschaft in ein warmes gelb. Wir blödeln, lachen und reden noch viele Stunden über all die Vorkommnisse der letzten Zeit.

 

„Ich habe Feuer gemacht!!!“ und dazu noch eine Axt in der Hand, am liebsten würde ich mir jetzt auf die Brust trommeln, so ur-männlich fühle ich mich.

Das Feuer knistert. „Gut gemacht! Du bist der Beste“ sagt sie verliebt und lehnt sich an mich. Ja so einen Tag hatten wir gebraucht, raus aus dem Alltag – wieder zusammenfinden. Ich bin stolz, dass der Plan so gut aufgegangen ist und freue mich: Toller Tag, tolle Frau, tolles Bike, toller Traum!

Ja so, oder so ähnlich könnte es funktionieren, davon bin ich überzeugt. Doch wie komme ich tatsächlich so schnell zu einem Motorrad? Plötzlich leuchtet eine Facebook-Messenger Nachricht auf. Es ist der Fotograf Florian Schulte. Ob die Liebste und ich Zeit hätten, für ein Fotoshooting in der Natur, mit einer kleinen 125er, einer BRIXTON oder so?

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